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Die Zauberflöte

Impressionen eines (klang-) erfüllten Vormittags ...

 


Anfang März diesen Jahres wurde an der Grundschule in Bordelum zum wiederholten Male ein musikalisches Projekt für und mit den Schülern aufgeführt. Unter der Leitung eines Tenorsängers und einer Sopranistin aus Wien, den Urhebern dieses Projektes, wurden die Schüler mit Wort und Gesang durch die weltberühmte „Zauberflöte“, einer Oper von Wolfgang Amadeus Mozart, geführt und begleitet. Auf diese Weise wurde ihnen nicht nur die Welt der klassischen Musik, der Oper und des Theaters nahegebracht, sie wurden selbst zu einem Teil davon und konnten es mit allen Sinnen fühlen und erleben…


Mir begegnete dieses Projekt in Form eines kleinen, handlichen Heftes, in dem, neben der Kurzbiografie Mozarts, Informationen über die Entstehung der „Zauberflöte“, Handlung und Figuren, ein wenig Fachwissen über Musik sowie spezifische, prägnante Arien und – natürlich – die „Zauberflöte“, in einfacher, altersgemäßer Form, wiedergegeben werden.


Ich war sehr beeindruckt und umso mehr erfreut, als ich erfuhr, dass ich als Zuschauer dabei sein durfte, da ich diese Oper schon sehr lange kenne und schätze. Und natürlich war ich gespannt darauf, was die Schüler aus diesen schönen Grundzutaten machen würden.


Als Pädagoge und ehemaliger Schulbegleiter, insbesondere als Musikliebhaber, hatte ich Augen – und Ohren! - weit offen. ..


Nach dem morgendlichen Plenum und einer Unterrichtsstunde strömten die Schüler mit ihren Lehrerinnen in die Turnhalle, wo sie auf das Wiener Opernsängerpärchen trafen: der Tenor als Begleiter und Erzähler und zugleich als der Vogelfänger in passender Jacke. Die Sopranistin verkörperte u.a. Prinzessin Pamina, die der tapfere Prinz Tamino aus der Hand des Zauberers Sarastro befreien soll.


Der „Papageno“ verstand es, die Schüler von Anfang an mit einzubinden, indem er mit seiner sonoren Stimme, die sich von seiner Gesangstimme kaum unterschied, den Schülern Fragen stellte, die sie lauthals mit: „Wolfgang Amadeus Mozart!“ beantworteten, ein echtes Wir-Gefühl. Dann introduzierte er den Prinzen, der sich nun im Reich der „Königin der Nacht“ befindet, wo er zunächst gegen einen Drachen kämpfen muss, verkörpert durch eine kriechende Reihe Schüler mit übergeworfenem Drachenhaut-Tuch und einem großen Drachenkopf. Des Kampfes müde, schläft Tamino ein und wir hören das Lied von der „Königin der Nacht“: die „Kleine Nachtmusik“, gesungen von Papageno, der von drei verschleierten Damen, im Dienste der Königin, begleitet wird.


In der laufenden Handlung verliebt Tamino sich in ein Bild der Königin, und wir hören weitere Arien (u.a. „Dies Bildnis ist bezaubernd schön…“) Der Tenor führt uns erzählend und singend durch die – kindgerechte – geraffte Handlung. Dabei holt er sich immer ein „passendes“ Kind aus der Reihe der Schüler, die am Rand auf Sportmatten sitzen. Die zur jeweiligen Szene gehörenden Utensilien holt er aus einer „Zauberkiste“ oder lässt einen Schüler dies tun. Auch die „Zauberflöte“ findet sich hier, eine Art Panflöte.


Man merkt zu keiner Zeit, dass die mitwirkenden Schüler „nur“ an wenigen Tagen hierfür geübt haben. Alles geschieht mit einer gewissen Leichtigkeit.


Ohne den Handlungsablauf komplett nacherzählen zu wollen, es gab viele Höhepunkte, z.B. das gesanglich und schauspielerisch wundervolle Duett zwischen Tamino und Pamina, und der Sklavenchor aller Schüler, von dem wir eigentlich gerne eine Zugabe gehört hätten. ..


Oft gab es für den Zuhörer Gänsehaut und „blanke“ Augen. Und der „Nachhall“ war noch lange nach der Aufführung in der ganzen Schule spürbar. Einige Schüler versuchten in der Pause Paminas Colleratursopran-Arie nachzusingen und mussten feststellen, dass ihre Stimmen diese Höhen nicht erreichen konnten. .. Ich nahm viele schöne Eindrücke mit nach Hause.


„Die Zauberflöte“, die Ende September 1791 in Wien uraufgeführt wurde, war Mozarts letzte Oper, er starb kurze Zeit später. Vor dem Hintergrund der Französischen und Russischen Revolution und der amerikanischen Unabhängigkeit war Mozarts Musik nicht mehr gefragt und wurde, nicht nur vom neuen Kaiser abgelehnt. Umso mehr kam ihn die Zusammenarbeit mit Schikaneder, dessen Text auf Märchen und einem Roman basiert, sehr gelegen. Dennoch- die Welt war im Wandel und italienisch-theatralisch angehauchte Märchenopern nicht mehr zeitgemäß. „Die Zauberflöte“ gilt unter Musikern als Ausdruck der Vollkommenheit – und sie verzaubert uns bis heute immer wieder aufs Neue.